Kaum ein Pilz ist so eng mit Heilsversprechen verbunden wie der Reishi. In China gilt er seit rund 2.000 Jahren als Symbol für langes Leben, im Internet wird er heute als Mittel gegen fast alles angepriesen. Hier steht, was über den Pilz bekannt ist und was davon wissenschaftlich belegt ist.
Der Pilz
Reishi ist der japanische Name des Glänzenden Lackporlings (Ganoderma lucidum), in China heißt er Lingzhi. Er gehört zu den Porlingen und wächst an geschwächten oder abgestorbenen Laubbäumen, oft an Eichen, Buchen oder Ahorn, meist am Stammgrund. Sein Fruchtkörper ist nieren- bis fächerförmig, rotbraun und sieht aus, als wäre er lackiert. Auf der Unterseite sitzen statt Lamellen feine Poren. Der Pilz ist holzig, hart und sehr bitter. Als Speisepilz eignet er sich daher nicht, er wird getrocknet, zerkleinert und ausgekocht oder extrahiert.
Der Glänzende Lackporling kommt auch in Mitteleuropa vor, ist hier aber eher selten. Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass der in Ostasien genutzte und kultivierte „Reishi“ meist eine eigene, eng verwandte Art ist (Ganoderma lingzhi). Im Handel werden beide unter dem Namen Ganoderma lucidum geführt.

Geschichte
Im „Shennong Bencao Jing“, einer der ältesten chinesischen Arzneimittelschriften aus der Han-Zeit, wird Lingzhi zu den höchsten Heilmitteln gezählt. Weil der Pilz in der Natur selten war, galt er als kostbar und wurde zum Glückssymbol: Man findet seine Form auf Gemälden, Schnitzereien, Palastverzierungen und im Ruyi, einem Zepter, das Glück und Erfüllung von Wünschen symbolisiert. Im Daoismus stand er für Unsterblichkeit. Seit den 1970er-Jahren wird Reishi in großem Maßstab kultiviert. Erst seitdem ist er für viele Menschen erschwinglich.
Inhaltsstoffe
Reishi enthält vor allem zwei Stoffgruppen, die besonders gut untersucht sind:
• Polysaccharide, darunter Beta-Glucane. Sie sind wasserlöslich und gehen beim Auskochen in den Tee über. • Triterpene, vor allem die Ganoderinsäuren. Sie sind für den bitteren Geschmack verantwortlich und lösen sich besser in Alkohol als in Wasser.
Dazu kommen Sterole, Proteine und Mineralstoffe. Wie viel davon in einem Produkt steckt, hängt stark von Pilzart, Anbau, verwendetem Pilzteil und Verarbeitung ab.
Was die Forschung sagt
In Labor- und Tierversuchen zeigen Reishi-Extrakte eine Reihe von Effekten, unter anderem auf Zellen des Immunsystems. Beim Menschen ist die Lage deutlich dünner. Die vorhandenen Studien sind meist klein, kurz und methodisch schwach. Übersichtsarbeiten, darunter Cochrane-Reviews zu Krebs und zu Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, kamen zu dem Ergebnis, dass die Belege für einen gesundheitlichen Nutzen nicht ausreichen. Für Reishi sind in der EU auch keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen. Er darf also nicht mit Versprechen wie „stärkt das Immunsystem“ beworben werden.
Die traditionelle Verwendung als Stärkungsmittel ist also gut dokumentiert. Dass Reishi bestimmte Krankheiten verhindert oder heilt, ist nicht belegt.
Zubereitung
Traditionell werden getrocknete Reishi-Scheiben oder Schrot mit Wasser längere Zeit geköchelt. Der Sud schmeckt deutlich bitter und wird gerne mit anderen Kräutern, Ingwer oder etwas Honig gemischt. Daneben gibt es Pulver, Kapseln und Extrakte. Bei Pulver aus dem ganzen Pilz ist zu bedenken, dass sich viele Inhaltsstoffe erst durch Auskochen oder Extraktion lösen.
Worauf man beim Kauf achten kann
• Fruchtkörper oder Myzel: Manche Produkte bestehen aus Myzel, das auf Getreide gezüchtet wurde, und enthalten dann einen hohen Anteil Getreidestärke. Auf der Verpackung sollte stehen, welcher Teil verwendet wird. • Pulver oder Extrakt: Ein Extrakt ist konzentriert und je nach Verfahren auf bestimmte Stoffgruppen ausgerichtet. • Herkunft und Prüfung: Pilze reichern Schwermetalle an. Seriöse Anbieter lassen auf Schadstoffe prüfen, Bio-Qualität ist ein zusätzlicher Anhaltspunkt.
Risiken
Reishi gilt allgemein als gut verträglich, ist aber nicht völlig ohne Risiko. Beschrieben werden Magen-Darm-Beschwerden, Mundtrockenheit, Schwindel und Hautausschlag. Es gibt einzelne Fallberichte über Leberschäden, vor allem im Zusammenhang mit Pulverpräparaten. Reishi kann möglicherweise die Blutgerinnung, den Blutdruck und den Blutzucker beeinflussen. Wer blutverdünnende Medikamente, Blutdruck- oder Diabetesmittel nimmt oder eine Operation vor sich hat, sollte die Einnahme vorher ärztlich besprechen. In Schwangerschaft und Stillzeit wird mangels Daten davon abgeraten.
Häufige Fragen zu Reishi
Wie lange dauert es, bis Reishi wirkt? Dazu gibt es keine belastbaren Daten. Aussagen über feste Zeiträume stammen aus Erfahrungsberichten, nicht aus Studien.
Welche Wirkung hat Reishi auf die Psyche? Traditionell wird Reishi zur Beruhigung und bei Schlafproblemen eingesetzt. Eine Wirkung auf Stimmung oder Schlaf ist beim Menschen bisher nicht ausreichend untersucht.
Wie gesund ist Reishi wirklich? Reishi enthält interessante Inhaltsstoffe und hat eine lange Tradition. Ein gesundheitlicher Nutzen ist beim Menschen aber nicht ausreichend belegt. Er ist kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung.
Ist Reishi gefährlich? Für gesunde Erwachsene gilt Reishi in üblichen Mengen als gut verträglich. Vorsicht ist bei Leberproblemen, bei der Einnahme von Blutverdünnern, Blutdruck- oder Diabetesmitteln sowie in Schwangerschaft und Stillzeit geboten.
Kann man Reishi selbst sammeln? Der Glänzende Lackporling kommt in Mitteleuropa vor, ist aber selten und kann mit anderen Lackporlingen verwechselt werden. Für den Eigengebrauch sind kultivierte Pilze aus kontrolliertem Anbau die verlässlichere Wahl.

Fazit
Reishi ist ein kulturgeschichtlich bedeutender Pilz mit einer gut erforschten Chemie und einer dünnen Studienlage beim Menschen. Wer ihn verwenden möchte, tut das am besten mit realistischen Erwartungen und in guter Qualität.
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